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Gedenkstätte am Zentrum für Nervenheilkunde

Ein Mahnmal für die Opfer der Nazi-Diktatur

Die Gedenkstätte am Eingangsbereich des Zentrums für Nervenheilkunde ist am 27. Januar 2009 eingeweiht worden. Der Künstler Christian Cordes sagt zu seinem Entwurf:

"Die Worte „Erinner“ und „Vergiss“ habe ich gewählt, um den Betrachter herauszufordern. Diese Vorgänge finden bei jedem Menschen zu jeder Zeit statt, in Bezug auf das eigene Leben als auch auf Ereignisse außerhalb des eigenen unmittelbaren Erlebens. Sie werden mit der Gedenkstätte für jeden, der sie wahrnimmt oder sich auch nur erinnert, sehr gegenwärtig. Wer auf das Klinikgebäude zugeht, ist unmittelbar dazu aufgefordert, sich zu erinnern. Wer das Klinikgelände verlässt, wird aufgefordert zu vergessen. Beide Male hat man die Gelegenheit, die weiteren Informationen zur nationalsozialistischen „Euthanasieaktion“ im Allgemeinen und in Rostock im Besonderen auf der Oberseite zu entdecken und von dort aus selbst weiter zu denken. Dem Imperativ des Vergessens kann man nicht folgen, hier ist ein klares Nein gefordert. Was man einmal erkannt hat, lässt sich nicht ohne weiteres aus dem Gedächtnis heraus vergessen oder löschen."

Zwischen 1940 und 1945 wurden im Rahmen der so genannten Euthanasieaktion der Nationalsozialisten auch kranke und behinderte Menschen aus der Rostocker Nervenklinik abtransportiert und getötet. „Es ist auch heute wichtig, sich mit diesem dunklen Kapitel unserer Geschichte auseinanderzusetzen“, sagte zur Einweihung des Mahnmals Prof. Dr. Sabine Herpertz, damalige Direktorin unserer Klinik. Die in Nachbarländern aktuell viel diskutierten Fragen, welches Leben es wert ist, durch ärztliche Kunst erhalten oder verlängert zu werden, Fragen nach der Zulässigkeit von Sterbehilfe bei Demenzkranken rühren an die wundesten Punkte deutscher Vergangenheit und könnten sich unter der drückenden Last zunehmender Sozialausgaben zukünftig auch in Deutschland stellen. „Das Mahnmal soll hier ein weithin sichtbares Zeichen setzen“, so Herpertz.

Gleichzeitig beschäftigen wir uns in einer Arbeitsgruppe aus Medizinern und Historikern mit der Aufarbeitung der Geschichte der Euthanasie in Rostock. Ein schwieriges Unternehmen: „Die Aktenlage in Rostock ist sehr schlecht“, sagt unser Arzt Dr. Ekkehardt Kumbier, der gemeinsam mit der Historikerin Kathleen Haack an dem Forschungsprojekt beteiligt ist. „Die Krankenakten aus dieser Zeit sind vernichtet worden.“ Allein aus Akten, die nach 1989 im Archiv der Staatssicherheit der DDR gefunden wurden, lasse sich belegen, dass auch aus Rostock Patienten abtransportiert wurden. Viele von ihnen wurden umgebracht.
Das Mahnmal soll die Erinnerung an die systematische Sterilisation und Tötung seelisch Kranker oder geistig behinderter Menschen wach halten.